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Unternehmensbewertung online
Dipl.-Kfm. / Dipl-VW. Dr. Carl W. Barthel, Köln
Unternehmenswert: Theoretische Fundierung des Umsatzverfahrens


Ausgangspunkt der preistheoretischen Fundierung ver-gleichsorientierter Unternehmensbewertungsverfahren ist das Verständnis des Begriffs "Unternehmenswert" als der "potentielle Marktpreis eines Unternehmens".
Auf dem Markt bilden sich über die Wirkungskette Marktstruktur - Marktverhalten - Marktergebnis die konkreten Preise für Unternehmen im Falle von Unter-nehmenskäufen. Diese Preise wiederum bilden die Grundlage für die Ableitung von Relationen für die Un-ternehmensbewertung. Eine dieser Relationen bezieht sich auf umsatzbezogene Erfahrungssätze zur Ermitt-lung des Goodwill, auf denen das Umsatzverfahren basiert.

1. Problemstellung

Für Ertagswertverfechter ist die Diskussion über die richtige Bewertungsmethode abgeschlossen, da der Ertragswert als einziger Wert des Unternehmens anerkannt sei. Diese These wird gebetsmühlenartig in der deutschsprachigen Literatur wiederholt, mit der Konsequenz, daß im Ausland dieser Wert nicht ernst-genommen wird, und die Theorie in Deutschlind sich
schwerpunktmäßig mit Randproblemen beschäftigt
Staunend muss die Theorie zudem zur Kenntnis neunten, daß die realisierten marktbezogenen Kauf-preise für Unternehmen ertragswertorientiert selten nicht begründbar sind; zunehmend wenden sich die Bewertungsadressaten, speziell die Unternehmenslei-tungen, resignierend von ausschließlich ertragswertba-sierten Parteigutachten ab (sog. Gremienorientierte Un-ternehmensbewertung); frustriert fügen sich Parteien in ertragswertbasierte Schiedssprüche und gerichtliche Entscheidungen.
In Judikatur und Praxis sind andere Verfahren der Unternehmensbewertung verbreitet und ausgerechnet im Wirtschaftszweig der zur Unternehmensbewertung berufenen Gruppe der vereidigten Buchprüfer, Steuer-berater und Wirtschaftsprüfer werden diese Praxen nicht ertragswertorientiert, sondern vergleichsorientiert - nämlich unter Verwendung des Umsatzverfahrens - am Markt gehandelt und hierauf basierend bewertet.
In einer gerade publizierten Dissertation über die Bewertung freiberuflicher Praxen in Deutschland kommt - hierzu im Gegensatz - Meyer zum Ergebnis:
"Nach der hier vertretenen Konzeption ist eine rein ertragswertorientierte Alternativrechnung bei der Er-mittlung des Werts einer freiberuflichen Praxis vorzu-nehmen, und zwar einheitlich für alle freien Beru-fe...Der Umstand, dass niemand die Zukunft vorherzu-sehen vermag, führt bei freiberuflichen Praxen zu einer besonders ausgeprägten Bewertungsunsicher-heit...Diesen Unwägbarkeiten können weder die bislang herrschenden Bewertungsmethoden bei freiberuflicher Praxis noch die vorgeschlagene Konzeption vollends begegnen. Das dargestellt e ertragswertorientierte Ver-fahren weist jedoch im Vergleich zu den Umsatzmetho-den eine betriebswirtschaftliche Fundierung auf und fügt sich in die heute allgemein anerkannten Grundsätze der Unternehmensbewertung ein."
...
Derartige Thesen und Schlussfolgerungen sind in der Literatur weit verbreitet; nachfolgend soll untersucht werden, ob und inwieweit ihnen gefolgt werden kann oder ob die Praxis wiederum einmal der Theorie voraus ist bzw. in der Judikatur , die in zahlreichen Entscheidungen das Umsatzverfahren anerkannt hat, zutreffend entschieden worden ist.

2. Wertableitung aus Marktpreisen

Bei einem Kauf eines Gutes, auch einer Sachge-samtheit oder gar eines Unternehmen, haben die Marktteilnehmer im allgemeinen drei Möglichkeiten, den Preis dieses Gutes für sich selbst zu bestimmen oder in eine Verhandlung einzubringen: sie können sich (1) nach dem eigenen Künftigen Nutzen, (2) nach den Preisanteilen der einzelnen Wirtschaftsgüter als Bestandteile dieses Gutes und (3) nach den Preisen vergleichbarer Güter reichten. Die Preisbildung in bezug auf diese drei Alternativen erfolgt beim Marktteilnehmer nicht immer bewusst. Häufig kommt es zu einem Me-thodenmix, der zu nicht immer erwünschter Ar-gumentationsvielfalt und zu in sich nicht konsi-stenten Entscheidungen führt. Bisweilen ist in einer bestimmten Situation eine Methode dominierend oder sogar ausreichen, und bisweilen ist bei bestimmten Personen nur eine bestimmte Verfah-rensweise vorherrschend. Letztlich ist für alle denkbaren situationen oder Personen eine einzige, allgemeingültige Methode der Preisbildung weder vorgeschrieben, noch praktikabel: Eine methoden-singularistische Ausrichtung der Marktteilnehmer in bezug auf die art ihrer jeweiligen Preisfixierung existiert nicht.


Den weiterführenden Text finden Sie unter www.unternehmenswertrechner.de
in Abschnitt A.10.